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Rezension: Dire Bound von Sable Sorensen

Skyrim x Game of Thrones Vibes mit Romantasy wie Fourth Wing und Dystopie wie The Hunger Games

Ich hatte sehr hohe Erwartungen an dieses Buch, denn es schien alles zu haben, was für mich ein perfektes Buch wäre: Romantasy, Slowburn, eine starke weibliche Hauptfigur, eine kämpferische Ausbildung, die vielversprechende Atmosphäre der Welt und vor allem Wölfe. Ich liebe Wölfe in Büchern, und besonders die Idee sich an einen Schattenwolf zu binden, hat mich fasziniert. Und obwohl mich die Geschichte an einigen Punkten zur Weißglut getrieben hat, so habe ich sehr gerne Zeit in der Welt von Nocturna verbracht. 

Inhalt:

Die 23-jährige Meryn Cooper lebt in ärmlichen Verhältnissen mit ihrer kleinen Schwester Saela und ihrer psychisch kranken Mutter. Um ihre Familie über die Runden zu bekommen, nimmt Meryn an Ringkämpfen teil, bei denen sie Männer in Grund und Boden schlägt. An ihrer Seite ist Lee,  ihr stets unterstützender Freund, der keinen einzigen Kampf von ihr verpasst. Doch in ihrem Viertel lauert stets eine Bedrohung in den Schatten: sogenannte „Nabber“, die mitten in der Nacht Kinder entführen, um sie in das verfeindete Nachbarland zu verschleppen, wo sie als Nahrung für die Siphone dienen; vampirartige Kreaturen, die sich seit Jahrhunderten mit den Schattenwölfen von Nocturna und dessen Reitern im Krieg befinden. Als eines Nachts Meryns kleine Schwester entführt wird, fasst sie einen Entschluss: sie wird sich für die Armee melden, um als Soldatin an die Front des Krieges zu gelangen – von dort aus will sie Saela suchen. Doch es kommt alles anders als geplant, als Meryn bei der Aufnahmeprüfung der Armee von einer mysteriösen Schattenwölfin gebunden wird, und sich dann gegen ihren Willen in der Ausbildung der Gebundenen befindet, die Meryn verachtet… 

Meinung:

Dieses Buch hat meine hohen Erwartungen erfüllt – nach den ersten circa zwei Kapiteln, denn die fand ich im Vergleich zum Rest des Buches ziemlich schwach geschrieben. Als hätte man den Anfang seit der ersten Fassung kaum überarbeitet, während alles andere auf einem ansprechenden Niveau lag. Danach jedoch kam ich sehr schnell in den Lesefluss rein und es war nichts mehr von meinen anfänglichen Zweifeln zu spüren. In Meryn als Hauptcharakterin habe ich mich beinahe von Seite 1 an verliebt, weil sie bereits zu Beginn Stärke, Selbstbewusstsein und Kampfgeist mitgebracht hat und diese Qualitäten nicht erst im Laufe der Geschichte entwickeln musste. Das fand ich sehr erfrischend. So wirkte auch ihre Ausbildung zur Gebundenden, also zu einer Reiterin der Schattenwölfe, deutlich realistischer und mitreißender, weil sie nicht bei jeder kleinen Aufgabe entweder kläglich scheiterte oder auf unglaubwürdige Weise zu schnell richtig gut war. 

Das Worldbuilding finde ich fantastisch. Die Welt fühlt sich an wie ein Mix aus Skyrim, Game of Thrones und Fourth Wing mit Wölfen, mit dem Ton wie bei den Hunger Games. Und trotzdem haben die beiden Autorinnen es geschafft aus vielen Inspirationen eine ganz eigene, besondere Welt zu schaffen. Die Charaktere, die Rudel, die Prüfungen, die Wölfe, das Schloss, all das habe ich gespannt verfolgt und betrachte ich als ganzheitlich gelungen. 

Ein ganz besonderer Pluspunkt für mich: die Geschichte hält sich tatsächlich an das Versprechen der „Slowburn“-Romanze. Mehr werde ich an dieser Stelle nicht schreiben, da alles andere Spoiler wären. Doch das war für mich ein wahres Highlight in „Dire Bound“. Ein weiteres Highlight: Meryns Schattenwölfin Anassa. Ich liebe ihren Charakter, liebe das Mysterium um sie und bin jetzt schon sehr gespannt darauf in Band 2 mehr über sie zu erfahren. 

Doch es gibt auch Gründe, warum ich der Bewertung trotz meiner Begeisterung dieser Geschichte und der Tatsache, dass es eines meiner Jahreshighlights war, einen Stern Abzug gebe. Während der gesamten ersten Hälfte des Buches war ich durch und durch überzeugt davon, dass dies ein absolutes Fünf-Sterne-Buch für mich wird. Es gab (nach den beiden ersten Kapiteln) keinen Zweifel mehr, was diese Meinung und meine Begeisterung erschüttern konnte – bis sich die zweite Hälfte des Buches über eine doch leider längere Zeit zäh lesen ließ. Grund hierfür (und ich werde es spoilerfrei halten, aber diejenigen, die das Buch gelesen haben, können bestimmt genau sagen, was ich meine) ist die nicht vorhandene Entwicklung von Meryns Charakter über das zweite Drittel des Buches und die ihrerseits stagnierende Beziehung zu Anassa. Nach den ersten Schwierigkeiten entwickelt sich Meryn ganz gut und organisch, ich habe sehr mit ihr mit gefiebert und sie gerne durch die Geschichte begleitet. Doch dann stockt ihre Entwicklung doch für einige Zeit, sie macht immer wieder dieselben Fehler ohne zu erkennen, dass ihr Handeln sie ausbremst und nicht vorwärts bringt, nur um sich dann zu fragen, warum sie keine Fortschritte macht. Das hat mich doch an einigen Stellen verzweifeln lassen, denn teils war ihre Naivität schmerzhaft, allen voran deshalb, weil sie eben eine eigentlich so starke, intelligente und hinterfragende Persönlichkeit ist. Diese Eigenschaften hat sie zwischendurch für gute dreihundert Seiten verloren und mich damit zur Weißglut getrieben. 

Ein weiterer Grund, warum ich mich für einen Stern Abzug entschieden habe, ist die starke Vorhersehbarkeit des Plots. Spätestens ab Seite vierhundert war denke ich einem Großteil klar, worauf die Geschichte zumindest grob hinaus läuft. Die Puzzleteile wurden gut eingestreut, sodass man sich ein Bild zusammensetzen und eigene Theorien daraus basteln konnte. Es wäre nur wünschenswert gewesen, wenn Meryn das ebenfalls getan hätte. Immerhin begleiten wir als Leser:in sie aus ihrer Perspektive, sodass sie zumindest ein paar der Hinweise zu einer Theorie hätte zusammenknüpfen können. Leider blieb dies trotz ihrer eigentlich vorhandenen Analysefähigkeit aus. Frustrierend war es dann, dass es noch einmal weitere vierhundert Seiten brauchte, um den vermuteten Plottwist dann letztendlich auch umzusetzen, während sich in der gesamten Zeit nur noch mehr Hinweise addierten, sodass die Wahrheit irgendwann wirklich dick und fett zwischen den Zeilen stand. Das hat einiges an Tempo rausgenommen, was ich schade fand. Auch, wenn das Ende dafür nach der ganzen Wartezeit sehr befriedigend war. 

Fazit:

Ich habe „Dire Bound“ trotzdem geliebt und setze mich unverzüglich an die Fortsetzung „Fury Bound“. Es ließ sich flüssig lesen, der Schreibstil ist angenehm und visuell, die Geschichte selbst reißt einen mit und die Welt hat mich in ihren Bann gezogen. Aber aufgrund der benannten Kritikpunkte habe ich doch mehrfach die Augen gerollt, das Buch zur Seite gelegt und darauf gewartet, dass der Plot (und der Plottwist) doch endlich mal Fahrt aufnimmt. Empfehlenswert ist „Dire Bound“ dennoch für alle, die eine fesselnde Welt, interessante Charaktere und eine echte Slowburn Romantasy mögen. 


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